Künstler: Sentino aka Sentence Titel: Stiller Westen VÖ: 10.02.2012 Label: Paraschizzo Vertrieb: Nation Music Art: Album Features: Seranjo, Para & Skarra Mucci Beats: Monroe, Shusta, Golden League, Fourtee Beats, Zede, Sam B, Puppenspieler
Es muss so um die Jahrtausendwende gewesen sein als ein noch sehr junger Desue mit einem noch jüngeren Sentence um
die Ecke kam. Ein rotzfrecher, kackdreister, hungriger Bengel mit so
viel Swagger in der Blutbahn als hierzulande noch keiner Swagger hatte.
Nach all den Hochs, Tiefs und einem zu unrecht nicht großartig
beachteten Debüt, flüchtete dieser, mittlerweile nicht mehr so junge Sentino (wie er sich zwischenzeitlich nannte), nach Polen, um mit sich und der Welt ins Reine zu kommen.
Das Ergebnis dieser Zeit ist „Stiller Westen“. Der Vorbote zu dem „richtigen“ Album „Wilder Osten“, welches dann wohl noch kommen wird - bei Senti weiß man nie. Ich warte bis heute auf „Sentinos Way 3“. Aber zurück ins hier: Herausgebracht wird „Stiller Westen“ über das Label Paraschizzo aus der Schweiz, welches hierzulande noch nicht sonderlich bekannt ist.
Was mir auffällt, bei all den unbestreitbaren Skills, ist die Tatsache,
dass viele der Tracks keine Weiterentwicklung des Rappers Sentence darstellen.
Viele Vergleiche sind einfach ausgelutscht („soviel Beef, bald liefere
ich ein Steakhaus an“…“klatsch euch platt wie ein Thunfisch im
Sandwich“) und man fragt sich zwangsläufig ob das Feuer nicht vielleicht
doch aus ist. In mancher Hinsicht wirkt Senti auf
dieser Platte wie ein alter, zahnloser Löwe, dem die jüngeren den Rang
abgelaufen haben - in Sachen Slang, in Sachen Rhymes, in Sachen
Vergleiche. Alles Dinge, die er in Deutschland mit auf den Weg gebracht
hat. Es ist ein wenig schade.
Weniger schade ist, dass Sentence sich Instrumentals bei Monroe geholt hat. Das geht natürlich immer, die beiden sind einfach ein Dreamteam. Vielleicht sollte Senti für „Wilder Osten“ ausschließlich bei ihm seine Beats picken. Es gibt nicht einen Ausfall von Sentence auf einem Beat vom Paper Paper Oberhaupt. Gut, die Featureparts auf „Verwelkte Rosen“ sind nicht wirklich erwähnenswert, aber wenn ich richtig informiert bin, rappen Seranjo, Para & Skarra Mucci sonst auch nicht auf hochdeutsch.
Technisch ist das alles on-point, die Flows sitzen, manche Beats gehen
mehr als klar, manche eher nicht. Das größte Problem ist aber ganz
einfach: Der Funke springt nicht über! In einer Zeit, in der nur noch
gesaugt-entpackt-gelöscht wird, Tracks angeskippt werden, haben es
Releases, egal von wem, immer schwer. Der heutigen Generation zu
verkaufen wer Sentence ist und
wie wichtig er mal war für die Entwicklung von Deutschrap (und Karrieren
anderer) ist unsinnig, weil das schlichtweg (so gut wie) keinen mehr
juckt. Und so wäre der einzig richtige Move gewesen ein unzerstörbares
Manifest zu schaffen und das hat er hiermit leider nicht getan. Hoffen
wir das Beste für „Wilder Osten“.
Tracklist:
1. Blick in die Crowd prod. by Monroe
2. Achterbahn prod. by ZeDe
3. Karma prod. by Sam B
4. Hirngespinst prod. by Monroe
5. Flutlicht prod. by Shusta
6. 110% prod. by Monroe
7. Verwelkte Rosen feat. Seranjo, Para, Skarra Mucci prod. by Monroe
8. Am Nagel geboren (HDF) prod. by Fourtee Beats
9. Mein Bruder prod. by Fourtee Beats
10. Vorbei der Traum feat. Skarra Mucci prod. by Fourtee Beats
11. Resistance prod. by Shusta
12. Wesenszüge prod. by Shusta
13. Licht in Dir prod. by Golden Ligue
14. Stiller Westen prod. by SAD
15. Durch die Tür prod. by Puppenspieler
16. Thron aus Stein prod. by Puppenspieler
17. Abspann prod. by Fourtee Beats