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REVIEW RELOADED: SD aka S.DIDDY – 21 GRAMM





Künstler
: S.Diddy
Titel: 21 Gramm
: 25.01.2008
Label: German Dream
Art: Album
Features: Capkekz, G-Style, Eko Fresh, Hakan Abi
Beats: Stieber Twins, ProdyCem, Kingsize, Ground Zero, Capkekz, S.Diddy

 
Stammtisch, Headrush, Overstolz, Optik, ein unfassbarer Show-Stopper während des Savas/Eko-Beefs samt Wechsel zu German Dream, Rücktritt, Rücktritt vom Rücktritt, dann wieder doch nicht und jetzt? Ende…?

Als sich in Deutschland noch Plattenteller drehten und Rapper keine Masken trugen, tingelte eine gewisse Crew namens Stammtisch freestylend von Jam zu Jam. Schon damals scheute sich ein gewisser Jan Delay (der damals noch gar nicht so Delay war) vor dem direkten Duell mit den Jungs. Rano, Spontan, Laas (ja, Kiddies, eben dieser), DJ Amir und SD liefen damals heiß in so manchem Tapedeck.

Als die Formation auseinanderbrach, versuchte SD sein Glück solo. Er ging zu Headrush, wo er die 12“ „Aufsässig und fresh / Stoned“ auf den Markt schmiss. Über Overstolz und ein paar Features (u.a. mit Roey Marquis) landete er bei Optik. Wir schrieben das Jahr 2003, die Welt war wunderschön, ich war jung und SD zeigte Deutschrap auf einem bis heute unzerstörbaren Gerät von Benny BlancoWie es geht“. Kurz darauf folgte die „Dirrrty“-EP und der Kölner Stefan Duschl war am vermeintlichen Höhepunkt angelangt.

Es folgten ausgiebige Touren durch den deutschsprachigen Raum mit Kool Savas und der Optik Army, Mixtape- und Albenbeiträge und doch rumorte es in SD. Er konnte diesen Lifestyle und die Art und Weise, wie er an ihn gelangt war, nicht mehr feiern. So kam es 2005, für Fans trotzdem völlig überraschend, zu einem der spektakulärsten Transfers in der Deutschraphistorie. Nachdem Eko abgerechnet hatte, warteten alle auf Savas. Doch Ek wär nicht Ek gewesen, hätte er nicht noch ein Ass im Ärmel gehabt. Zusammen mit Summer Cem und einem Special Guest schoss er noch vor dem Urteil „Die Bestrafung“ in Richtung Savas. Featuring? Tadaaaa…SD. Böses Ding. Großartig und widerlich zugleich. Abgewichst.

Und so kommen wir zum eigentlichen Punkt dieser Review, zum ersten und einzigen Album von SD, der sich mittlerweile in S.Diddy umbenannt hatte. „21 Gramm“ erschien im Jahr 2008 über German Dream Evangelium und ist bis heute das letzte Lebenszeichen von S.Diddy in Form einer Veröffentlichung als Solokünstler.

Schon nach anderthalb Minuten ist klar, was den Hörer erwarten wird. Ausgeflippte Rhymes, durchgedrehte Flows, wirre Drogenphantasien, absurde Disstiraden. Alles on point gerappt und immer mit dem gewissen Grinsen im Mundwinkel, nur um im nächsten Moment wieder vollkommen asozial abreissen zu können. Beispiele? Sehr gerne.

„Ich komm aus dem Untergrund, guck ich töte den Beat/ keine Nutte kann mich verhexen denn das wär Mösenmagie/“ („Gib mir mehr“)

„Ich bin die oberschräge Amphetamin-Motorsäge/ ich steh mit einem Stock an der Bahn und geb deim’ Opa Schläge/“ („Kölsch Bloot“)

„Auf den Parties die wir machen geht es ab wie im Weltkrieg/ die Pupillen extrem geweitet wie das Arschloch von Melbeatz/“ („Der Don“)

„Blockier nich’ mein’ Weg oder ich tret’ dich durch die Türe du Wichser/ Motherfucker, ich roll meine Joints wie eine türkische Pizza/“ („Grembranx Click“)

Die Produktionen kommen hauptsächlich von ProdyCem, aber auch Capkekz (einmal mit Diddy zusammen), Kingsize, Ground Zero und selbst die legendären Stiebers haben für dieses Album ihre Festplatten durchsucht. Beats picken kann er auch, vielleicht sollte Nas da mal Nachhilfe nehmen.

Was Diddy auf der „Dirrrty“-EP mit „Für Kenna“ schon andeutete, nämlich dass er auch den Seelenstrip auf hohem Niveau durchaus beherrscht, wird auf „21 Gramm“ noch viel deutlicher. Man bekommt aber nie den Eindruck, dass das Album konstruiert sei und das nach so und so viel Asso-Songs mal ein ruhigerer folgen muss. Nein, es ist eher so, als würde es Sinn machen. Das Gesamtbild funktioniert nur auf diese Weise und ohne diese schonungslos offenen Songs (wie z.B. „Hoffnungslos“, „Aus und fertig“ oder „Wenn er geht“), wäre es nicht dieses Meisterwerk, was es unabhängig von Verkaufszahlen, Chartplazierungen oder medialer Aufmerksamkeit zweifelsfrei war und ist.

SD, bitte guck ein letztes Mal sick durchs Gitter. Zeig uns nur noch einmal wie es geht. Meinetwegen nur für Kenna. Ein finaler Eißfeldt-Diss. Ein Geistesblitz. Steig noch einmal über den Zaun. Dirrrty 2. Bitte.

Tracklist:
1. Intro
2. 2 Crazy
3. Hook
4. Hoffnungslos
5. Gib mir mehr
6. Kölsch Bloot feat. Capkekz
7. Aus & fertig
8. Grembranx Click feat. G-Style
9. Schuld
10. Auf Nase Skit
11. Palim, Palim!
12. Der Don
13. Bow Wow
14. Asi Peter Skit
15. Totentanz feat. Eko Fresh & Hakan Abi
16. Promiwelt
17. Assel Skit
18. Wenn er geht
19. To da Branx


Clips:


..

Audio: SD - Wie es geht (VÖ 2003)

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13 Apr 2012 by tpo
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