
| Ganz entspannt und doch mittendrin in einem aufreibenden Alltag. MoTrip ist erfolgreich und hat Gutes im Sinn. Das sorgt schonmal für gute Stimmung, aber offenbar nicht bei jedem. Das muss es auch nicht. Anlässlich ein paar Fragen zu seinem Debütalbum "Embryo", seiner mittlerweile bestätigten Zusammenarbeit mit Bushido, dem Aufenthalt auf der Echo-Verleihung, den Crossover-Workshops und natürlich zu seinen Zukunftsplänen, trafen wir ihn zusammen mit Bruder El Moussaoui und Kollegen aus Aachen in Frankfurt am Main.
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Rheinhiphop: Erst noch mal Gratulation zu deinem Album. Wie geht’s dir heute?
MoTrip: Heute geht’s mir sehr gut. Es ist ein sonniger Tag, wir sind in Frankfurt und machen paar Interviews.
Rheinhiphop: Woher kommst du gerade?
MoTrip: Ich komm gerade aus Aachen von meiner Familie, der geht’s Gott sei Dank auch sehr gut. Ich war ein bisschen in der Heimat und hab mal ganz kurz abgeschaltet.
Rheinhiphop: Gleich bist du hier in Frankfurt bei einem Radiosender. Was wird dich da erwarten?
MoTrip: Ich hab gehört, dass man mich zwei Stunden im Radio braucht, ich weiß nicht genau. Also ich denk mal, wir haben ne Show, ich rede ein bisschen, paar Songs werden gespielt, das Übliche.
Rheinhiphop: Hast du die letzten Tage auch schon viele Pressetermine gehabt oder eher andere Sachen gemacht?
MoTrip: Ich hab erst mal das mit dem Album hinter mich gebracht und ein paar persönliche Sachen gelöst, die durch den Deal auf mich zukamen, also echt bürokratische Sachen, die noch im Raum standen. Versicherung und so´n Kram.

| Rheinhiphop: Gehen wir direkt ins Eingemachte: Was ist dran an der Zusammenarbeit mit Bushido? Da wurde jetzt schon ein bisschen spekuliert. Ich habe im Blog von Alpa Gun gesehen, dass der dich schon gesichtet hat im CL in Berlin. Und natürlich die Twitter-Austausch-Geschichten von dir und Bushido. Was kannst du da verraten?
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MoTrip: Alles kann ich dir verraten. Wir haben uns nur zum Essen getroffen und die Leute sehen uns und können die Füße nicht still halten und urteilen dann. Das war wirklich einfach am ersten Tag schon alles, deswegen... gar nichts kann ich euch sagen. Nur soviel, dass die Leute einfach immer sehr vorschnell urteilen und meistens echt keine Ahnung haben.
Rheinhiphop: Und wie kam der Kontakt zustande? Hat er dich angerufen?
MoTrip: Wir haben über Twitter geschrieben.
Rheinhiphop: So hats angefangen?
MoTrip: Ja, wirklich.
(Anm. d. Verf.: Mittlerweile gilt, dass MoTrip als Special Guest und sein Bruder El Moussaoui als Back Up auf Bushidos „Jenseits von gut und böse – Tour“ mit dabei sein werden.)
Rheinhiphop: Du hast zuletzt im Track mit Genetikk betont, dass du Gutes im Sinn hast. Und diese friedliebende Art, wie ich sie mal nennen will, zieht sich auch durch dein ganzes Album. Deswegen würde mich interessieren, was es da für verschiedene Reaktionen drauf gab?

| MoTrip: Sehr verschiedene. Hier und da wurde ich mal gefragt, ob das gespielt sei, also ob ich das als Masche mache. Früher haben meine Freunde mir halt immer gesagt „Ey du darfst nicht so nett zu den Leuten sein, weil guck mal wie asozial die alle sind und nur so wirst du erfolgreich.“ Das ist mehr oder weniger schon Beweis genug dafür, dass diese Art authentisch ist. Das kann mein ganzer Freundeskreis bezeugen, dass wir schon immer so ne Musik, eigentlich, gemacht haben, auch immer so was gemocht haben und eher immer das Problem hatten, dass der Markt anders war, härter und böser. Im Endeffekt verstell ich mich da nicht, sondern mach endlich genau das, was ich will und es funktioniert. Die Leute nehmen es an und sind bereit dafür, aber es gibt wirklich ganz verschiedene Reaktionen: Von „spielst du das?“ bis „das ist mir zu lieb“ bis alles | |
andere auch... kommt alles mal vor, aber ich bin sehr zufrieden und ich glaube der Großteil der Leute auch. Und ich bin wirklich sehr zufrieden.
Rheinhiphop: Eine bewusste Provokation ist es also nicht? Konkret denk ich da wieder an den Track mit Genetikk. Da sagst du, dass du Savas mit Eko zelten schickst und ohne jetzt allzu sehr ins Detail gehen zu wollen, hat Savas auch per Twitter darauf reagiert und meinte, er versteht das nicht, nach dem Motto: Was will der überhaupt? Also willst du die Leute dazu auffordern, ein bisschen netter miteinander umzugehen oder ist das einfach deine Art und fertig?
MoTrip: Ich muss dazu sagen, dass dieses Friedliebende nichts mit Battlerap zu tun hat. Damit mein ich eher die anderen Rapper, die wirklich Gewalt verherrlichen und das tun ja Eko und Savas nicht, sondern da geht’s ja eher um dieses Battlen und das find ich in Ordnung. Nur wenn es dann auch mal gut ist – und das geht mich dann wahrscheinlich auch nichts an – ... deswegen hab ich es einfach in ´ne Zeile gepackt. Dann hab ich aber auch an der Reaktion von Savas gemerkt, okay, ich sag dann erstmal nichts mehr dazu, ist ja auch nicht mein Bier. Ich, aus Fanperspektive, wünsche mir das aber schon länger. Ich kann mir vorstellen, dass das viele tun und ich glaube einfach, dass das, gerade weil es „nur so ein Battle“ ist, also musikalische Hintergründe hat, sind die auf jeden Fall aus der Welt zu räumen und das wissen auch beide. Es geht mich vielleicht nichts an, aber das können die mir trotzdem nicht erzählen. Dann sollen die sich halt nicht vertragen, das ist auch echt nicht meine Angelegenheit, aber ich mein das wirklich. Ich sag extra nach dieser Zeile: „Ich hab Gutes im Sinn.“ Ich hab während des Schreibens natürlich gemerkt, das könnte man auch falsch verstehen. Dass die zufällig jetzt zelten gehen, ist nur, weil es der Reim angeboten hat. Ich hätte mir auch gewünscht, dass der Reim eher gepasst hätte mit „ich schick sie essen irgendwo zusammen“. Im Endeffekt meinte ich damit einfach was ich auch rappe: Ich hab was ausgeheckt hier bei Facebook, arrangier ein geheimes Treffen und dann sitzen die da beim Zelten und das ist echt nicht böse. Im Endeffekt wollt ich einfach, dass die sich vertragen und vielleicht hat das einen kleinen Anstoß gegeben. Wer weiß, was noch kommt.
Rheinhiphop: Haken wir das mal ab. Wie hat es dir bei der Echo-Verleihung gefallen? Du warst das erste Mal da...
MoTrip: War in Ordnung. Ich will gar nicht haten, aber das Spannende war definitiv die Aftershowparty. Ich will gerne auch nächstes Jahr wieder beim Echo sein, aber die Show an sich war halt je nach Künstler, der gerade auf der Bühne stand. Also ich fand Marilyn Manson am Anfang unfassbar begeisternd. Das hätte ich niemals gedacht, aber den hätte ich auch niemals gesehen sonst. Aber die Aftershowparty war sehr cool. Da hat man Leute getroffen, gequatscht und für mich wars halt das erste Mal, deswegen war es für mich noch was Besonderes. Ich hab halt auch dort Leute getroffen, die das alles schon nicht mehr sehen konnten. Aber ich hatte meinen Spaß, hat echt Bock gemacht.

| Rheinhiphop: Kleine Anekdote, die besonders unterhaltsam war? MoTrip: Die sollten ihre Bändchen überprüfen. Also mir hat man davor gesagt, dass man keinen rein kriegt. Ich hab meinen ganzen Freundeskreis – aus Berlin zumindest – auf jeden Fall da rein gekriegt. Wir waren echt ne bunte Truppe. Ich hab jetzt nicht die eine Geschichte, also der ganze Abend basiert nur auf so was. Jede Aktion, die du da machst ist wieder irgendein Witz mit irgendwem, weil du einfach nur Leute triffst, die du kennst und die dann auch irgendwas mit Musik zu tun haben. Irgendwas gibt’s immer zu quatschen, war einfach ein sehr bunter Abend.
Rheinhiphop: Handy klingelt
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MoTrip: Joka Music, kann ich rangehen?
Rheinhiphop: Ja, hau rein.
MoTrip: Hey Joka. Hallo? Ey, du bist jetzt mitten im Interview bei Rheinhiphop.de. Sag mal was Schlaues ... sag was Schlaues...
Joka: Haut rein, wir reden später.
MoTrip: Alles klar, ich ruf dich gleich an, ciao.
Rheinhiphop: Auf Joka wollt ich auch noch zu sprechen kommen, aber erstmal zu deinen Workshops beim Crossover e.V. Hast du noch Zeit dafür?
MoTrip: Ja klar. Um Gutes zu tun ist immer Zeit. Den letzten Workshop hab ich vor ungefähr einem Monat gemacht. Ich glaub ich hab erst einen einzigen Workshop verpasst seitdem ich da überhaupt mitmache und das waren schon einige.
Rheinhiphop: Sind die immer in Hamburg
MoTrip: Nene, im Gegenteil. Ich glaub ich war noch nie in Hamburg. Die sind immer woanders. Ich war schon in, boah, lass mich nicht lügen: Berlin, Stuttgart, Korbach. Immer wenn sich das anbietet, guck ich halt natürlich. Jetzt hab ich mehr Termine als letztes Jahr, mehr Gigs zu spielen und so. Ich hoffe, dass sich das nicht schneidet, aber ich bin in der selben Booking Agentur wie Samy. Samy macht ja dieses Crossover und irgendwie passt das meistens (grinst). Deswegen bin ich wahrscheinlich beim nächsten Mal auch wieder mit dabei und freu mich jetzt schon drauf. Gruß ans ganze Crossover-Team.
Rheinhiphop: Hast du schon konkrete Pläne für deine nächsten Veröffentlichungen?
MoTrip: Album?
Rheinhiphop: Das ist die Frage. Album, Freetrack oder Sampler?
MoTrip: Ach so ne, das war schon meine Antwort.
Rheinhiphop: Dieses Jahr noch?
MoTrip: Das wag ich mich jetzt nicht mehr zu sagen nach den Erfahrungen, die ich gemacht hab. Man lernt ja immer dazu, so was mach ich nicht mehr. Ich mach das jetzt erstmal, das ist das Ziel, aber zwischendurch entstehen halt immer Sachen. Wahrscheinlich wird irgendwas vorher released mit ´nem Kollegen zusammen, aber dazu verrat ich noch nicht viel mehr. Im Endeffekt ist mein Ziel aber eine erfolgreiche Tour, mein nächstes Album und das, was wir uns gerade erschaffen haben, aufrecht zu erhalten durch ehrliche Arbeit. Durch genau so bleiben, einfach das durchziehen, was man von Anfang an schon gemacht hat, weil das hat mich jetzt dahin gebracht wo ich bin und ich denk mir, wenn ich jetzt einfach so bleibe, dann kann nichts schief gehen. Inschallah. Echt, ein zweites Album nochmal so irgendwie produzieren zu können.

| Rheinhiphop: Viel Erfolg dabei. MoTrip: Danke.
Rheinhiphop: Wirst du dich nach anderen Produzenten umschauen oder mehr mit anderen Produzenten zusammen arbeiten oder wird Paul NZA dein Hauptsoundmann sein bzw. bleiben? | |
MoTrip: Da würd ich mich natürlich sehr glücklich schätzen, weil er auch unfassbare Qualität abliefert, aber das liegt nicht nur an mir, muss ich sagen. Da müssen halt auch erstmal die Jungs Bock drauf haben, noch mal so ein ganzes Album zu machen.
Rheinhiphop: Die Jungs sind in dem Fall wer?
MoTrip: Marek und Paul NZA und Cecil. Also Paul NZA ist nicht alleine, sondern das ist ein dreiköpfiges Team mit dem ich da zusammen gearbeitet habe und Cecil schreibt man C-E-C-I-L. Dann Marek Pomp-e-t-z-k-i. Also natürlich hätt´ ich da sehr Bock drauf. Es muss vielleicht diesmal auch nicht alles so schnell gehen. Natürlich bin ich auch offen für andere Produzenten. Ich freue mich wirklich immer, wenn ich Beats geschickt kriege, weil ich doch hier und da was entdecke, was mich immer wieder inspiriert Songs zu machen und dann denk ich mir, wenn dieser Typ, den ich nicht kenne, mir nicht einfach Beats geschickt hätte und mich damit inspiriert hätte zu schreiben... also echt, da wird sogar was fehlen. Deswegen, ich freu mich, ich bin immer offen, aber Paul NZA und sein Team sind natürlich schon etwas sehr krasses, wo man sehr gerne mit zusammen arbeitet .
Rheinhiphop: Letzte Frage: Ich weiß nicht, woher Falk das schon wieder wusste, aber er hat dich bei Mixery auf jeden Fall auf deine Labelplanung angesprochen. Willst oder kannst du dazu schon Weiteres sagen?
MoTrip: Ich plane nicht gerade ein Label. Ich hab halt seit meinem Deal und seit der Unterschrift meines Deals eine eigene Edition. Das wissen die Leute da draußen nicht. Und natürlich kann ich Leute darauf signen oder was heißt kann? Man kann alles, man kann viel machen, aber ich hab jetzt nicht geplant ein Label in den nächsten sechs Monaten zu eröffnen und erstmal wie gesagt: Wir wollen uns festigen und sobald ich mich dazu bereit fühle... die Jungs, die es dann trifft, die wissen eh schon Bescheid, die sind schon eingeweiht, aber es ist alles noch sehr sehr in den Kinderschuhen, deswegen sag ich da auch besser noch nichts
Rheinhiphop: Dann bleiben wir gespannt, entspannt vor allem auch und deine letzten Worte, wenn du noch was loswerden möchtest:
MoTrip: Also ich bleib auf jeden Fall entspannt, tut ihr das auch und ich möchte hier zur Abwechslung mal keine Werbung machen, sondern einfach Dankeee sagen an euch alle da draußen. Ihr habt wirklich wirklich wirklich mein Traum wahr gemacht und das hätt´ ich mir nicht erträumen lassen. Dankeschön.
Rheinhiphop: Sehr schön. Dann ein schönen Tag dir noch.
Fotos: sbu / Interview: jsp