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INTERVIEW MIT MOTRIP

Ganz entspannt und doch mittendrin in einem aufreibenden Alltag. MoTrip ist erfolgreich und hat Gutes im Sinn. Das sorgt schonmal für gute Stimmung, aber offenbar nicht bei jedem. Das muss es auch nicht. Anlässlich ein paar Fragen zu seinem Debütalbum "Embryo", seiner mittlerweile bestätigten Zusammenarbeit mit Bushido, dem Aufenthalt auf der Echo-Verleihung, den Crossover-Workshops und natürlich zu seinen Zukunftsplänen, trafen wir ihn zusammen mit Bruder El Moussaoui und Kollegen aus Aachen in Frankfurt am Main.
 

Rheinhiphop:
Erst noch mal Gratulation zu deinem Album. Wie geht’s dir heute?

MoTrip: Heute geht’s mir sehr gut. Es ist ein sonniger Tag, wir sind in Frankfurt und machen paar Interviews.

Rheinhiphop: Woher kommst du gerade?

MoTrip: Ich komm gerade aus Aachen von meiner Familie, der geht’s Gott sei Dank auch sehr gut. Ich war ein bisschen in der Heimat und hab mal ganz kurz abgeschaltet.

Rheinhiphop: Gleich bist du hier in Frankfurt bei einem Radiosender. Was wird dich da erwarten?

MoTrip: Ich hab gehört, dass man mich zwei Stunden im Radio braucht, ich weiß nicht genau. Also ich denk mal, wir haben ne Show, ich rede ein bisschen, paar Songs werden gespielt, das Übliche.

Rheinhiphop: Hast du die letzten Tage auch schon viele Pressetermine gehabt oder eher andere Sachen gemacht?

MoTrip: Ich hab erst mal das mit dem Album hinter mich gebracht und ein paar persönliche Sachen gelöst, die durch den Deal auf mich zukamen, also echt bürokratische Sachen, die noch im Raum standen. Versicherung und so´n Kram.


Rheinhiphop:
Gehen wir direkt ins Eingemachte: Was ist dran an der Zusammenarbeit mit Bushido? Da wurde jetzt schon ein bisschen spekuliert. Ich habe im Blog von Alpa Gun gesehen, dass der dich schon gesichtet hat im CL in Berlin. Und natürlich die Twitter-Austausch-Geschichten von dir und Bushido. Was kannst du da verraten?
 
MoTrip: Alles kann ich dir verraten. Wir haben uns nur zum Essen getroffen und die Leute sehen uns und können die Füße nicht still halten und urteilen dann. Das war wirklich einfach am ersten Tag schon alles, deswegen... gar nichts kann ich euch sagen. Nur soviel, dass die Leute einfach immer sehr vorschnell urteilen und meistens echt keine Ahnung haben.

Rheinhiphop: Und wie kam der Kontakt zustande? Hat er dich angerufen?

MoTrip: Wir haben über Twitter geschrieben.

Rheinhiphop: So hats angefangen?

MoTrip: Ja, wirklich.

(Anm. d. Verf.:  Mittlerweile gilt, dass MoTrip als Special Guest und sein Bruder El Moussaoui als Back Up auf BushidosJenseits von gut und böse – Tour“ mit dabei sein werden.) 

Rheinhiphop: Du hast zuletzt im Track mit Genetikk betont, dass du Gutes im Sinn hast. Und diese friedliebende Art, wie ich sie mal nennen will, zieht sich auch durch dein ganzes Album. Deswegen würde mich interessieren, was es da für verschiedene Reaktionen drauf gab?

MoTrip: Sehr verschiedene. Hier und da wurde ich mal gefragt, ob das gespielt sei, also ob ich das als Masche mache. Früher haben meine Freunde mir halt immer gesagt „Ey du darfst nicht so nett zu den Leuten sein, weil guck mal wie asozial die alle sind und nur so wirst du erfolgreich.“ Das ist mehr oder weniger schon Beweis genug dafür, dass diese Art authentisch ist. Das kann mein ganzer Freundeskreis bezeugen, dass wir schon immer so ne Musik, eigentlich, gemacht haben, auch immer so was gemocht haben und eher immer das Problem hatten, dass der Markt anders war, härter und böser. Im Endeffekt verstell ich mich da nicht, sondern mach endlich genau das, was ich will und es funktioniert. Die Leute nehmen es an und sind bereit dafür, aber es gibt wirklich ganz verschiedene Reaktionen: Von „spielst du das?“ bis
„das ist mir zu lieb“ bis alles
 
andere auch... kommt alles mal vor, aber ich bin sehr zufrieden und ich glaube der Großteil der Leute auch. Und ich bin wirklich sehr zufrieden.

Rheinhiphop: Eine bewusste Provokation ist es also nicht? Konkret denk ich da wieder an den Track mit Genetikk. Da sagst du, dass du Savas mit Eko zelten schickst und ohne jetzt allzu sehr ins Detail gehen zu wollen, hat Savas auch per Twitter darauf reagiert und meinte, er versteht das nicht, nach dem Motto: Was will der überhaupt? Also willst du die Leute dazu auffordern, ein bisschen netter miteinander umzugehen oder ist das einfach deine Art und fertig?

MoTrip: Ich muss dazu sagen, dass dieses Friedliebende nichts mit Battlerap zu tun hat. Damit mein ich eher die anderen Rapper, die wirklich Gewalt verherrlichen und das tun ja Eko und Savas nicht, sondern da geht’s ja eher um dieses Battlen und das find ich in Ordnung. Nur wenn es dann auch mal gut ist – und das geht mich dann wahrscheinlich auch nichts an – ... deswegen hab ich es einfach in ´ne Zeile gepackt. Dann hab ich aber auch an der Reaktion von Savas gemerkt, okay, ich sag dann erstmal nichts mehr dazu, ist ja auch nicht mein Bier. Ich, aus Fanperspektive, wünsche mir das aber schon länger. Ich kann mir vorstellen, dass das viele tun und ich glaube einfach, dass das, gerade weil es „nur so ein Battle“ ist, also musikalische Hintergründe hat, sind die auf jeden Fall aus der Welt zu räumen und das wissen auch beide. Es geht mich vielleicht nichts an, aber das können die mir trotzdem nicht erzählen. Dann sollen die sich halt nicht vertragen, das ist auch echt nicht meine Angelegenheit, aber ich mein das wirklich. Ich sag extra nach dieser Zeile: „Ich hab Gutes im Sinn.“ Ich hab während des Schreibens natürlich gemerkt, das könnte man auch falsch verstehen. Dass die zufällig jetzt zelten gehen, ist nur, weil es der Reim angeboten hat. Ich hätte mir auch gewünscht, dass der Reim eher gepasst hätte mit „ich schick sie essen irgendwo zusammen“. Im Endeffekt meinte ich damit einfach was ich auch rappe: Ich hab was ausgeheckt hier bei Facebook, arrangier ein geheimes Treffen und dann sitzen die da beim Zelten und das ist echt nicht böse. Im Endeffekt wollt ich einfach, dass die sich vertragen und vielleicht hat das einen kleinen Anstoß gegeben. Wer weiß, was noch kommt.

Rheinhiphop: Haken wir das mal ab. Wie hat es dir bei der Echo-Verleihung gefallen? Du warst das erste Mal da...

MoTrip: War in Ordnung. Ich will gar nicht haten, aber das Spannende war definitiv die Aftershowparty. Ich will gerne auch nächstes Jahr wieder beim Echo sein, aber die Show an sich war halt je nach Künstler, der gerade auf der Bühne stand. Also ich fand Marilyn Manson am Anfang unfassbar begeisternd. Das hätte ich niemals gedacht, aber den hätte ich auch niemals gesehen sonst. Aber die Aftershowparty war sehr cool. Da hat man Leute getroffen, gequatscht und für mich wars halt das erste Mal, deswegen war es für mich noch was Besonderes. Ich hab halt auch dort Leute getroffen, die das alles schon nicht mehr sehen konnten. Aber ich hatte meinen Spaß, hat echt Bock gemacht.

Rheinhiphop: Kleine Anekdote, die besonders unterhaltsam war?

MoTrip: Die sollten ihre Bändchen überprüfen. Also mir hat man davor gesagt, dass man keinen rein kriegt. Ich hab meinen ganzen Freundeskreis – aus Berlin zumindest – auf jeden Fall da rein gekriegt. Wir waren echt ne bunte Truppe. Ich hab jetzt nicht die eine Geschichte, also der ganze Abend basiert nur auf so was. Jede Aktion, die du da machst ist wieder irgendein Witz mit irgendwem, weil du einfach nur Leute triffst, die du kennst und die dann auch irgendwas mit Musik zu tun haben. Irgendwas gibt’s immer zu quatschen, war einfach ein sehr bunter Abend.

Rheinhiphop:
Handy klingelt
 

MoTrip:
Joka Music, kann ich rangehen?

Rheinhiphop: Ja, hau rein.

MoTrip: Hey Joka. Hallo? Ey, du bist jetzt mitten im Interview bei Rheinhiphop.de. Sag mal was Schlaues ... sag was Schlaues...

Joka: Haut rein, wir reden später.

MoTrip: Alles klar, ich ruf dich gleich an, ciao.

Rheinhiphop: Auf Joka wollt ich auch noch zu sprechen kommen, aber erstmal zu deinen Workshops beim Crossover e.V. Hast du noch Zeit dafür?

MoTrip: Ja klar. Um Gutes zu tun ist immer Zeit. Den letzten Workshop hab ich vor ungefähr einem Monat gemacht. Ich glaub ich hab erst einen einzigen Workshop verpasst seitdem ich da überhaupt mitmache und das waren schon einige.

Rheinhiphop: Sind die immer in Hamburg

MoTrip: Nene, im Gegenteil. Ich glaub ich war noch nie in Hamburg. Die sind immer woanders. Ich war schon in, boah, lass mich nicht lügen: Berlin, Stuttgart, Korbach. Immer wenn sich das anbietet, guck ich halt natürlich. Jetzt hab ich mehr Termine als letztes Jahr, mehr Gigs zu spielen und so. Ich hoffe, dass sich das nicht schneidet, aber ich bin in der selben Booking Agentur wie Samy. Samy macht ja dieses Crossover und irgendwie passt das meistens (grinst). Deswegen bin ich wahrscheinlich beim nächsten Mal auch wieder mit dabei und freu mich jetzt schon drauf. Gruß ans ganze Crossover-Team.

Rheinhiphop: Hast du schon konkrete Pläne für deine nächsten Veröffentlichungen?

MoTrip: Album?

Rheinhiphop: Das ist die Frage. Album, Freetrack oder Sampler?

MoTrip: Ach so ne, das war schon meine Antwort.

Rheinhiphop: Dieses Jahr noch?

MoTrip: Das wag ich mich jetzt nicht mehr zu sagen nach den Erfahrungen, die ich gemacht hab. Man lernt ja immer dazu, so was mach ich nicht mehr. Ich mach das jetzt erstmal, das ist das Ziel, aber zwischendurch entstehen halt immer Sachen. Wahrscheinlich wird irgendwas vorher released mit ´nem Kollegen zusammen, aber dazu verrat ich noch nicht viel mehr. Im Endeffekt ist mein Ziel aber eine erfolgreiche Tour, mein nächstes Album und das, was wir uns gerade erschaffen haben, aufrecht zu erhalten durch ehrliche Arbeit. Durch genau so bleiben, einfach das durchziehen, was man von Anfang an schon gemacht hat, weil das hat mich jetzt dahin gebracht wo ich bin und ich denk mir, wenn ich jetzt einfach so bleibe, dann kann nichts schief gehen. Inschallah. Echt, ein zweites Album nochmal so irgendwie produzieren zu können.

Rheinhiphop: Viel Erfolg dabei.

MoTrip: Danke.

Rheinhiphop: Wirst du dich nach anderen Produzenten umschauen oder mehr mit anderen Produzenten zusammen arbeiten oder wird Paul NZA dein Hauptsoundmann sein bzw. bleiben?
 
MoTrip: Da würd ich mich natürlich sehr glücklich schätzen, weil er auch unfassbare Qualität abliefert, aber das liegt nicht nur an mir, muss ich sagen. Da müssen halt auch erstmal die Jungs Bock drauf haben, noch mal so ein ganzes Album zu machen.

Rheinhiphop: Die Jungs sind in dem Fall wer?

MoTrip: Marek und Paul NZA und Cecil. Also Paul NZA ist nicht alleine, sondern das ist ein dreiköpfiges Team mit dem ich da zusammen gearbeitet habe und Cecil schreibt man C-E-C-I-L. Dann Marek Pomp-e-t-z-k-i. Also natürlich hätt´ ich da sehr Bock drauf. Es muss vielleicht diesmal auch nicht alles so schnell gehen. Natürlich bin ich auch offen für andere Produzenten. Ich freue mich wirklich immer, wenn ich Beats geschickt kriege, weil ich doch hier und da was entdecke, was mich immer wieder inspiriert Songs zu machen und dann denk ich mir, wenn dieser Typ, den ich nicht kenne, mir nicht einfach Beats geschickt hätte und mich damit inspiriert hätte zu schreiben... also echt, da wird sogar was fehlen. Deswegen, ich freu mich, ich bin immer offen, aber Paul NZA und sein Team sind natürlich schon etwas sehr krasses, wo man sehr gerne mit zusammen arbeitet .

Rheinhiphop: Letzte Frage: Ich weiß nicht, woher Falk das schon wieder wusste, aber er hat dich bei Mixery auf jeden Fall auf deine Labelplanung angesprochen. Willst oder kannst du dazu schon Weiteres sagen?

MoTrip: Ich plane nicht gerade ein Label. Ich hab halt seit meinem Deal und seit der Unterschrift meines Deals eine eigene Edition. Das wissen die Leute da draußen nicht. Und natürlich kann ich Leute darauf signen oder was heißt kann? Man kann alles, man kann viel machen, aber ich hab jetzt nicht geplant ein Label in den nächsten sechs Monaten zu eröffnen und erstmal wie gesagt: Wir wollen uns festigen und sobald ich mich dazu bereit fühle... die Jungs, die es dann trifft, die wissen eh schon Bescheid, die sind schon eingeweiht, aber es ist alles noch sehr sehr in den Kinderschuhen, deswegen sag ich da auch besser noch nichts

Rheinhiphop: Dann bleiben wir gespannt, entspannt vor allem auch und deine letzten Worte, wenn du noch was loswerden möchtest:

MoTrip: Also ich bleib auf jeden Fall entspannt, tut ihr das auch und ich möchte hier zur Abwechslung mal keine Werbung machen, sondern einfach Dankeee sagen an euch alle da draußen. Ihr habt wirklich wirklich wirklich mein Traum wahr gemacht und das hätt´ ich mir nicht erträumen lassen. Dankeschön.

Rheinhiphop: Sehr schön. Dann ein schönen Tag dir noch.


Fotos: sbu / Interview: jsp
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15 Apr 2012 by jsp
balken
EINE KÖNIGLICHE GEBURT: MOTRIP AM RELEASETAG VON EMBRYO IN AACHEN

Unsere Redakteurin Angelina hatte exklusive Einblicke in den Releasetag von MoTrips Debüt-Album "Embryo". Sie selbst ist Künstlerin aus Aachen, aus dem engen Umfeld von Trip und war an diesem Tag von der Autogrammstunde bis zum Ausklang an der Hotelbar mit dabei.    Fotos: Felix Christ

Man sagt, dass schätzungsweise 350.000 Kinder pro Tag geboren werden. Das ist eine ganze Menge unbeschriebener Blätter, die das Licht der Welt erblicken. Das Baby, das ich heute besuchen gehe, ist aber keineswegs eine „tabula rasa“. Ich glaube sogar, dass keines der anderen 349.999 Kinder, die heute geboren wurden, schon so eine lange Geschichte erzählen können wie dieses. Das verwundert jedoch nicht, denn dieses „Embryo“ war gewissermaßen schon 23 Jahre auf der Welt bevor es die Menschen erreichte.

Nach mehreren verregneten und kalten Tagen lacht Aachen am heutigen Freitag endlich wieder und begrüßt die MoTrip-Fans mit ein paar kräftigen warmen Sonnenstrahlen. Jede Mutter wäre glücklich an so einem Tag des Frühlingserwachens ein Kind auf die Welt zu bringen. Schöner hätte es sich der gebürtige Libanese, der auch in der westlichsten Stadt Deutschlands zu Hause ist, also nicht aussuchen können.

Heute kommt sein Debüt-Album über Universal raus. Der Kreissaal für die Geburt in der Kaiserstadt ist der „Uptown Store“ mitten in der Innenstadt. Als ich endlich ankomme, ist der Laden schon rappelvoll. Obwohl MoTrip erst zwei Tage vorher bekannt gab, dass es ganz spontan eine Autogrammstunde geben wird, stehen sie überall: Die Fans seiner Heimatstadt, die es kaum erwarten können, den frischgebackenen Papa zu beglückwünschen und sich ihr handsigniertes Embryo direkt beim Erzeuger vor der Haustür abzuholen. Ich kämpfe mich durch die Menschenmassen und merke langsam, warum einige mit ihrem Autogramm schon wieder vor den Laden flüchten - es ist verdammt heiß hier drin!

Die Crew, bestehend aus Trips engstem Freundeskreis - dazu zählt mittlerweile wohl auch Joka, der sich das ganze Spektakel auch nicht entgehen lassen möchte -, seiner Familie und dem Management, ist am Start und greift ihm unter die Arme, damit alles reibungslos funktioniert. Trip ist gut drauf. Seine Nervosität der letzten zwei Wochen ist von der nicht mehr zu bändigenden Vorfreude des Vortages in ein breites Grinsen umgeschlagen, ein stolzes Grinsen, das ihm niemand mehr nehmen kann.

Als dann um 16 Uhr endlich ILLthinker sein DJ-Equipment aufgebaut hat, ist MoTrip nicht mehr zu halten und rappt laut mit: "..ich bleibe wie ich bin, ich feil an meinem Plan und NEHM MIR WAS ICH WILL, GEB DIR WAS DU WILLST - EMBRYO!" schallt es zur Freude der Fans aus den Boxen. Vor dem Laden bilden sich langsam aber sicher

 
mehrere Warteschlangen und jeder versucht schnellstmöglich an den Trip-Tisch zu kommen. Bis dahin habe ich mich jetzt endlich durchgekämpft und betrachte das Ganze aus der Künstlerperspektive: Das sind echt viele Menschen auf einem Haufen. Vor mir auf dem Tisch liegen sie, die heißbegehrten, frischgepressten CDs mit dem schlichten aber trotzdem aussagekräftigen und detailreichen Cover eines Fötus. Daneben liegen ein Autogrammkartenstapel, Poster, jede Menge Eddings und ein königsblaues Austellungs-Shirt in Größe XL, das jemand liebevoll an den Tisch getackert hat - wie das eben so ist. Und direkt neben mir ein stolzer MoTrip, der sich keine Pause gönnt. Ein Foto nach dem anderen, eine Unterschrift jagt die nächste. "Oh Mist," sagt der Junge enttäuscht, mit dem Trip gerade ein Foto geschossen hat, "das Bild ist unscharf!" "Kein Ding!" erwidert Trip ehrlich lässig und schnappt sich die Kamera, um ein weiteres Foto zu schießen - so viel Zeit muss sein. Obwohl der Laden immer voller wird, gibt es kein Gedränge, keine Streitereien, jeder wartet einfach bis er an der Reihe ist.

Neben Trip steht sein großer Bruder El Moussaoui, der vor kurzem sein Mixtape "Beiss in den Fisch!" veröffentlicht hat, nachdem man fast sechs Jahre nichts mehr von ihm gehört hat. Für die deutsche Raplandschaft ein Newcomer, gehört er in Aachen schon längst zu den alten Hasen und beinahe jeder Fan seines jüngeren Bruders
 
möchte auch eine Unterschrift von dem Mann, der MoTrip damals zum Rappen brachte. Cousins und alte Freunde aus dem ehemaligen Viertel stehen auf einmal vor Trip, um ihn zu beglückwünschen und man sieht ihm richtig an wie sehr es ihn freut, dass auch jetzt, wo er sich ein stückweit von Aachen gelöst hat, trotzdem noch so Viele aus vergangenen Zeiten hinter ihm stehen und ihm den Rücken stärken. Plötzlich erblicke ich ein Gesicht, das rein altersmäßig gar nicht ins relativ junge Publikum reinpasst und MoTrip noch mehr erfreuen wird als seine alten Freunde zu sehen - seine Mutter. Sie kommt zu ihm und schenkt ihm eine liebevolle Umarmung. "Ich habe heute meinen ersten Enkel bekommen. Das lass ich mir doch nicht entgehen" sagt sie und ich merke, dass ihren Sohn nichts stolzer machen könnte als diese Worte aus dem Mund seiner Mutter.

"Aaah, es sind keine Shirts mehr da!" brüllt plötzlich jemand aus der Merch-Ecke. Das ist das Zeichen für MoTrips ältesten Bruder Ali, der sonst schonmal gerne bequem ist, jetzt aber loseilt, um Nachschub zu besorgen. "Heute ist halt ein wichtiger Tag für Mohamed, da hilft jeder ohne viel Nachzudenken." Es scheint sich zu lohnen. Überall stehen begeisterte Menschen mit ihren frisch ergatterten Shirts und CDs und sprechen über das, was sie schon wissen und das, was sie erwarten. "Ich wusste doch, dass das Feature bei Song elf RAF 3.0 sein würde!" sagt der Eine stolz, während er von seinem Gegenüber aufgezogen wird, dass Trip das schon längst bei Facebook bekannt gegeben hatte. Ich höre wie Trip zu einem Mädchen sagt: "Bist du dir ganz sicher?" und als sie nickt, zückt er den Edding und unterschreibt auf der Rückseite ihres nagelneuen iPhones. Trip nimmt sich für jeden seiner kleinen und großen Fans Zeit und erfüllt Sonderwünsche oder persönliche Widmungen und wenn es sein muss auch mal fünf Fotos mit denselben Personen. Weibliche Fans sind nur wenige am Start, doch sobald Trip eines entdeckt, zitiert er sie nach vorne: "Hey Jungs, macht mal ein bisschen Platz und lasst die Mädels vor oder seid ihr etwa keine Gentlemen?" und muss dabei laut lachen. Mit wenig Widerwillen werden die Mädchen nach vorne geschoben, während sich auf dem Weg ihre Wangen feuerrot färben. Er ist ein Star zum anfassen, der mit seinen Fans in Kontakt kommen möchte. Einer, der wissen will, was sie sich erhoffen und natürlich auch wie sie sein Schaffen im Endeffekt finden.





Obwohl es jetzt schon kurz vor sechs ist, wird noch lange nicht ans Ende gedacht. Der Laden ist so voll wie um 15 Uhr schon und scheint immer wieder neue Menschen anzuziehen. Einige rappen die Embryo-Texte schon mit, was für die Vorbestellungen spricht, die schon ein Tag vor Release im Briefkasten gelandet sind. "Ey!" ruft es aus der Menge. "Ey MoTrip, ich war grad bei Saturn, weil ich nicht wusste, dass man das Album auch direkt hier bei dir bekommt und die haben eiskalt gesagt, dass alles ausverkauft ist!" Und es scheint wirklich ein erfolgreicher Verkaufstag zu werden, was auch die Merch-Kisten bestätigen, in denen nur noch spärliche Überreste in L und XL der MoTrip-Shirts liegen.


 


Dann endlich, gegen 19 Uhr, leert sich der Laden langsam und übrig bleiben ungefähr 35 Leute, die von Anfang an dabei waren und das ist nicht nur auf den heutigen Tag bezogen. "Puuh, geschafft!" strahlt Trip und zieht eine Zigarettenpackung aus der Hosentasche. "Die erste Zigarette nach vier Stunden, die hab ich mir jetzt aber wirklich mal verdient! Ich lade euch alle recht herzlich ein, dass wir gemeinsam alle etwas essen gehen, da hinten beim Marokkaner." Gesagt getan. Nachdem die letzten Überbleibsel der Autogrammstunde weggeräumt sind und Uptown wieder dem guten alten Klamottenladen von davor gleicht, pilgert die Masse zu "El Medina".



Die Kellner gucken etwas verdutzt als der Laden sich allmählich mit der MoTrip-Horde füllt - reservieren wäre vielleicht ein gutes Stichwort gewesen. "Boah ich hab so n' Hunger!" flüstert mir Trip's kleine Nichte ins Ohr, die tapfer die ganzen Stunden mitgefeiert hat. Sie erzählt mir, wie stolz sie auf ihren Onkel ist und dass sie auch ein Embryo-Exemplar hat, was sie jetzt jeden Tag hören wird. Ich frage sie, welcher Song ihr denn am besten gefällt. Da muss sie nicht lange nachdenken: "Gorilla!" schreit sie laut, "da wo Papa und Hamudi zusammen rappen!"
Als dann nach gefühlten fünf Stunden jeder sein Essen vor sich stehen hat und gerade anfangen will zu essen, erhebt sich MoTrip. "Nur ein paar Worte an euch meine Lieben, dann könnt ihr endlich euer wohlverdientes Abendessen zu euch nehmen. Ich möchte mich bei euch allen bedanken, dass ihr alle gekommen seid und mich jeder seit dem Tag, an dem ihr mich kennengelernt habt, so tatkräftig unterstützt hat. Vielen Dank, auf Euch!" Man merkt wie ernst er das meint. Und damit sind auch nicht nur die anwesenden Leute gemeint, die um mich bzw. ihn herum sitzen. Nein, das geht auch raus an all seine Fans die virtuell bei ihm sind, was sein Facebook
-Status-Update am heutigen Abend klar macht. Da heißt es: "Ich bin euch allen sehr dankbar.. Euer Feedback motiviert mich soo krass. Danke an jeden Supporter, an jeden, der mein Album kauft und an jeden, der irgendwie mit geholfen hat.. ". Das wird prompt mit genau 2283 Likes beglückwünscht.

Langsam leeren sich die Teller und spätestens jetzt macht sich das Glücksgefühl in jedem von uns breit. Das muss doch gefeiert werden denke ich und noch bevor ich diesen Satz ausgesprochen habe, sagt MoTrip "Ihr wisst ja, dass ich für spontane Aktionen bekannt bin. Ich habe mir gedacht, dieser Tag war einfach der hammer und das müssen wir feiern. Also, wer wäre dabei, mit in die Elefantenbar am Quellenhof zu kommen und einfach auf diesen gelungenen Tag zu trinken?" Das lässt sich natürlich niemand zweimal sagen und so bewegen wir uns für heute ein letztes Mal, um den Abend gemütlich im teuersten Hotel Aachens ausklingen zulassen.

Das Personal staunt nicht schlecht als sich die Türen ihrer kaum besuchten Hotelbar öffnen und wir statt der üblichen feinen Gesellschaft auf den edlen Ledersesseln Platz nehmen. Turnschuhe und Jeans passen auch gut zum Ambiente. Munter wird die Cocktailkarte hoch und runter bestellt und der Barmann kommt offensichtlich ins schwitzen. Offiziell hat die Bar bis 24 Uhr geöffnet, aber unsere muntere Laune hält den Laden weitere Stunden offen und die Kellnerin auf Trab. Gegen 2 Uhr beginnen sich die ersten auf den Weg zu machen. "Hat mich gefreut Trip, war echt ein unvergesslicher Tag. Ich wünsche dir auf deinem Weg weiterhin alles Gute", sage ich zu dem müden aber sichtlich zufriedenen MoTrip.

Er hat es geschafft. Am nächsten morgen sehe ich seinen Status bei Facebook: "So gut wie überall ausverkauft.. :D Ich bin gerührt..#ichdankeeuchsokrass". Sein Release war offenbar ein voller Erfolg und das wundervolle daran ist, dass es nicht nur ihn, sondern auch alle um ihn herum glücklich gemacht hat - ein echtes Wunschkind eben. So eine leichte Geburt bekommt nicht jeder hin und ich bin mir nach dem heutigen Tage ziemlich sicher, dass noch mehr Leute Gefallen finden werden, dabei zuzusehen, wie so etwas Kleines zu etwas Größerem heran wächst.
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11 Apr 2012 by acm
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KONZERTBERICHT: YASIIN BEY aka MOS DEF IN KÖLN

Mighty Mos Def aka Yasiin Bey aka Dante Smith hat es im dritten Anlauf nach den abgesagten Konzerten 2010 und 2011 endlich in die Domstadt geschafft. Bei keinem Out4Fame-Event, das ich bis jetzt in der Essigfabrik gesehen habe, musste ich so lange auf den Einlass warten. Bereits die Vorbands Pan&Artist und Fleur Earth Experiment konnten vor fast ausverkauftem Haus spielen und als der Mainact dann endlich gegen halb elf auf die Bühne kam, war die Essigfabrik fast am kochen.
 
Ein MC, ein DJ und sonst niemand auf der Bühne, die während des gesamten Konzertes in rot beleutet war - Profis brauchen keinen Backup! In bester Mos-Manier tritt der Mann nur mit seinem Mic im Elvis-Style auf, wie es zuletzt auch im Video zu "Ni**as in Pooerst" zu sehen war, seiner Antwort auf Kanyes und Jiggas "Ni**as in Paris".

Der mittlerweile 39 jährige Rapper aus Brooklyn konnte sich von der ersten Sekunde an der ganzen Aufmerksamkeit des gesamten Publikums sicher sein. Mit seinem Urban Thermo Dynamics Album, seinen fünf Solo- und zwei Black Star-Alben kann der Mann auf eine 17 jährige Karriere und zahlreiche Hits zurückblicken. Zu dem hat Mos in 24 Filmen und der ein oder anderen Serien mitgespielt. Der Mann kann also auf eine umfangreiche Karriere zurück blicken.
Doch nun wieder zum Konzert: Die Crowd ging von Anfang bis Ende voll ab und feierte begeistert den gesamten Katalog an Hits,
 
den Yasiin Bey aufspielte.
Der MC, der sich in den letzten Jahren vom klassischen BoomBap-Rap entfernt hatte und gelegentlich auch das ein oder andere rocklastige Element auf seinen Alben auspackte, kann auch singen ohne, wie manche seiner Rapperkollegen, peinlich zu wirken. Dieser Vielfältigkeit entsprechend war auch das Publikum etwas bunter gemischt als, sagen wir, beim GZA Konzert im Februar. Der gesamte Auftritt dauerte etwa anderthalb Stunden, was verhältnismäßig lang ist, zumal kein Backup mit dabei war.

Viele Klassiker wurden gespielt. Am Ende waren im Publikum einige Stimmen zu hören, die weniger begeistert waren, da ihnen das Konzert etwas zu soft war - zu viel Singsang, zu wenig Rap. Der geneigte Fan aber, der alle Mos Def Alben feiert, kam aufjedenfall auf seine Kosten.
Manchmal schien es, als ob Mos Def trotz seiner Bemühungen nicht die gewünschte Nähe zu seinem Publikum aufbauen konnte, wodurch es phasenweise auch relativ unpersönlich war. Das mag jedoch vor allem an der breiten Halle der Essigfabrik liegen, die für den Künstler auf der Bühne schnell unübersichtlich werden kann.
Im Endeffekt war es ein gelunger Abend mit einem erstklassigen gut aufgelegten Act, der gerne wieder kommen kann.
 
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08 Mar 2012 by lbp
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INTERVIEW MIT TAREKK AL-BAZZ


Ein weiterer Rap-Artist aus Bonn stellt sich vor - Tarekk Al-Bazz. Erfahrt wie er zu Rap gekommen ist, was und wer ihn dabei beeinflusst hat, was für ein Gesellschaftsbild er zeichnet, wie er zur Bonner Rapszene steht und was dabei seine Zukunftspläne sind.
 
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27 Feb 2012 by jsp
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INTERVIEW MIT MAGHREBI53 UND BVNDITO

Nach einem Live-Auftritt am Vortag trafen wir Maghrebi53 und BVNDiTO in Bonn-Bornheim - bei leider schlechten Lichtverhältnissen, aber trotzdem sehenswert!
Wir sprachen mit ihnen über ihre aktuellen Projekte, ihren Zugang zu Rap und Gesang,
 
ihren eigenen Musikgeschmack, ihre Haltung gegenüber der Gesellschaft und natürlich auch über die Bonner Rapszene, in der sich zur Zeit viel zu bewegen scheint. Weiterhin darüber, ob marokkanische Sprachspiele nur aus Frankfurt kommen können. Zu guter Letzt bekommt ihr noch ein exklusives Acapella.

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27 Feb 2012 by jsp
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KONZERTBERICHT: GZA / THE GENIUS VOM WU-TANG CLAN IN KÖLN

GZA / The Genius, der Name steht für eine Legende, für 1/9 des Wu-Tang Clans. Einer Crew, die wie kaum eine zweite den New Yorker Sound der 90er Jahre prägte. Das Debütalbum des Clans „Enter the Wu-Tang (36 Chambers)“ erschien 1993 und war eines der wichtigsten Alben für Hip Hop überhaupt. GZA hatte bereits 1991 vor der Gründung des Clans das Album „ Words from the Genius“ veröffentlicht und er verfolgte auch als Clan-Member stets seine Solokarriere. 1991 erschien „Liquid Swords“, eine der (nach meiner Sicht) lyrisch besten Platten dieser „Blütezeit“ des Hip Hops. 1999 legte GZA das Album „Beneath the Surface“ nach, 2002 folgte „Legend of the Liquid Sword“, 2005 erschien das Kollabo-Ablum „Grandmasters“ mit dem Cypress Hill Mastermind DJ Muggs und 2008 erschien das bisher letzte GZA Album „Pro Tools“.  
GZA gilt im Wu-Tang Clan und überhaupt im Hip Hop als lyrisch überragender MC. Keines seiner Alben hatte einen ähnlich großen kommerziellen Erfolg wie die von etwa Method Man, doch trotzdem gilt er immer wieder als einer der wichtigsten MCs seiner Ära. Seine Texte besitzen unglaubliche Spannweite und Tiefgründigkeit.



Nun ist die Frage was ein 46jähriger Lyricist live bieten kann. Eine mit Lichteffekten und ähnlichem gespikte Show kann und wollte man auch nicht erwarten, das wäre bei der Musik von GZA schlicht und einfach fehl am Platze.

Als er dann endlich auf die Bühne trat, hatte sich das vorher Gedachte bewahrheitet: Ein DJ hinter seinem Pult, ein MC am Mikrofon, kein Backup MC, kein Schnick Schnack. Stilecht dunkel gekleidet mit Hoodie, Lederjacke und Beanie, wie man ihn von den Videos aus der Mitte der Neunziger kannte. Als es der Soundmann dann geschafft hatte GZA`s Stimme so zu mischen, dass er auch einwandfrei zu verstehen war, konnte man das Konzert voll genießen. Wie der Titel der Tour „Liquid Swords Tour 2012“ bereits suggerierte, konzentrierte sich GZA vor allem auf die Klassiker aus seinem Solo-Repertoire und natürlich die Parts aus den Wu-Tang Tracks. Gespielt wurden Wu-Banger nach alter Manier, geredet wurde auch nicht viel, nur der DJ wollte gelegentlich etwas Response vom Publikum. Die brachiale Rohheit der Beats gepaart mit GZA’s unfassbar guten Texten, sorgte für eine wunderbare Stimmung während des Konzertes.
 
Highlight war definitiv der Moment, in dem GZA ins Publikum sprang und einen kompletten Track in Cypher Attitüde mitten im Publikum performte. Alles in Allem war es ein sehr gelungenes Konzert auch wenn GZA lediglich 50 Minuten auf der Bühne stand und leider auch die Zugaberufe des Kölner Publikums nicht würdigte. Einige andere Fans waren nicht ganz so angetan wie ich und ärgerten sich vor allem darüber, dass GZA nur so kurz aufgetreten war.
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10 Feb 2012 by lbp
balken
KONZERTBERICHT: KOOL SAVAS IN BERLIN

Kool Savas oder lieber nur Savas oder noch besser Essah schien von der Ansage des Maya-Kalenders nicht unberührt gewesen zu sein – dass 2012 die Welt untergeht. Und so sollte an diesem Abend in der Columbiahalle gefeiert werden, „als ob es die letzte Show in Berlin sein könnte“. Beste Voraussetzungen waren geschaffen: Ein restlos ausverkauftes Haus, in dem schon vor Beginn der Show die S-A-V-Rufe laut wurden und den selbsternannten King of Rap zusammen mit Back-Up Moe Mitchell und DJ Sir Jai herzlich begrüßten. 
Der Vorhang fiel, der Lärmpegel stieg und neben uns hatte auch Alpa Gun mit bestem Blick von den Oberrängen offensichtlich seinen Spaß. Eine wirklich gewaltige Kulisse, die keine Zweifel daran ließ, dass zumindest in Berlin alle noch fleißig Optik schieben. Damit das auch so bleibt, setzte Essah noch einmal und zusammen mit Olli Banjo ein „Denkmal“. Es folgte „OK“ mit Samy, der jedoch nur auf der riesigen Leinwand im Hintergrund der Bühne erschien.
Die Berliner waren, wie zu erwarten war, in der Überzahl, doch auch die Leute aus dem Umland machten ordentlich Lärm, wenn sie dazu aufgefordert wurden. Der nächste Einspieler kam von Buddy Ogün per Video auf der Leinwand und lieferte einen Vorgeschmack auf die Tour der Liga der außergewöhnlichen MCEEs, die Ende März starten wird und bisher mit Essah, Olli Banjo, Die Orsons, Laas Unltd. und eben dem besagten Hamburger Comedian besetzt ist. Quasi eine optimale Nutzung seiner Ressourcen. Mit dem Track „Stampf“ sorgte erstmalig die Pyrotechnik für Furore: passend zum Beat erleuchteten vier Feuerfontänen die Halle und erhitzten wohl vor allem die Gesichter von Essah und Moe Mitchell. Danach wieder lautstarke S-A-V-Rufe. Dieser appelliert an seine Crowd, sich bei ihm zu melden, wenn sie jemanden kennen, der auf der Bühne mehr durchdreht als er. Und auch wenn dann „Sky is the limit“ kam, schien es kaum so, als ob hier nach oben noch Luft gewesen wäre. Essah gab 100%, das Publikum auch und die spürbar ausgelassene Stimmung lieferte die optimale Vorraussetzung für die DVD-Aufnahmen an diesem Abend.



Bemerkenswert, dass kaum jemand unter 18 Jahren anwesend war. Woran mag das liegen? Bestimmt nicht daran, dass Essah sich die Emo-Witze nicht verkneifen konnte und damit nicht ganz so reflektiert dastand, wie er in der Regel auftritt. Doch auch solche mit „komischen Frisuren“ waren anwesend und Essah bestätigte: „In jeder Stadt ist mindestens ein Casper“. Damit Hip Hop als Bewegung jedoch nicht in diese falsche Richtung abdriftet, kam „Futurama“. Essah ist eben kompromisslos Rap, verdammt loyal dabei und das ist seine Stärke. Doch für den ein oder anderen eben auch seine Schwäche, aber das weiß er bekanntlich selbst und genau deswegen ballerte dann auch der „Rapfilm“ aus den Boxen. Natürlich ist er wirklich drauf hängen geblieben und rein musikalisch ist das auch gut so.
Nett und höflich wie er ist, bedankte sich Essah bei den Berlinern, die ihn im Gegenzug eine Wette mit Sir Jai gewinnen ließen. Der behauptete doch ernsthaft, dass niemand mehr Tracks von vor fünf Jahren kenne. Essah behauptet das Gegenteil und natürlich kannten alle noch „Tot oder Lebendig“. Für „Black“ kam dann wieder die Pyrotechnik zum Einsatz und spätestens nach „Mona Lisa“ fand es Essah richtig „geilo“. Das nächste Video auf der Leinwand kam von Einhorn Kaas und war gleichzeitig das Intro für „Brainwash“, so dass Moe Mitchell auch mal als Sizzlac in Erscheinung treten durfte. Der „Rhythmus meines Lebens“ musste für Produzent Sir Jai besonders gefeiert werden, da aufgrund des zur Anzeige gebrachten Samples kein Cent mehr damit verdient werden kann. Und wenn wir schon dabei sind, seien die 10€ Spende für alle Gästelistenplätze erwähnt, die einem guten Zweck dienen und sicher gerne gezahlt wurden. Bravo Essah!



Nachdem der nächste Track aus dem aktuellen Aura-Album „Nie mehr gehn“ lief und für „Immer wenn ich rhyme“ erneut Olli Banjo auf die Bühne stampfte, sollte man Essah mit „Stimme“ persönlicher kennen lernen. Dann ging es wirklich back in the days: „Der beste Tag meines Lebens“ stellte für meinen Geschmack so einige der davor laufenden Songs in den Schatten einer Aura, die Essah heute nicht mehr umgibt, aber das hat er sich ja auch nicht selbst so ausgesucht. Seine neue Aura strahlt mindestens genauso und der letzte Tag seines Lebens scheint tausende Meilen weit entfernt zu sein. Essah punktete weiter mit Bescheidenheit und seine große Achtung vor dem Hauptstadt-Publikum konnte man ihm glauben. Dass auch die Leute Essahs Vergangenheit nur allzu gut kennen, bewies die immernoch enorm hohe Nachfrage nach diesem einen Disstrack und auch wenn er mittlerweile keinen Funken Hass mehr dafür im Herzen trägt, spielte er Ekos „Urteil“ einfach nur als Song, was die Fans sehr begrüßten – tosender Applaus. Die Pause danach läutete direkt die ersten Zugabe-Rufe ein, als ob es wirklich schon zu Ende hätte sein können.
Die Stimme aus dem Off kam natürlich und es folgte ein Medley, das durch eine Vielzahl der erstklassigen Essah-Songs führte: Das ist O.R., Orchestrator, MySpace, Weck mich nicht auf, Feuer, Krone, Haus und Boot, On Top, All4One oder TOL-Intro. Dann outete sich Essah mit einem „Ah Saol“ ertsmal als Playboy51-Fan. Die anschließende Smartphone Party schuf die richtige Atmosphäre für den Titelsong des Albums sowie der Tour und Essah gab mit „Aura“ weiter Power mit dem Mic in der Hand. Moe Mitchell übernahm für Xavier Naidoo – nicht.



Wenn „Haus und Boot“ auch beim Publikum die Hoffnung geweckt hatte, noch mehr alte Klassiker zu hören, kam nichts dergleichen. Da halfen auch die Schreie nach „Neongelb“ nicht. Stattdessen bekamen sie „Technopilot“ um die Ohren, wofür die versammelte Mannschaft sogar in die Knie ging, um schließlich ohne Verstand im Octagon zu toben. Der gute Olli Banjo, der seinen dritten Applaus bekam, war dann auch der Aufhänger für eine kurze Ansprache von Essah, der den Wahlkölner als echtes Vorbild auswies. Diese Funktion dürfe nicht verloren gehen und wenn man als Künstler dazu lernt, müsse man den logischen Schritt gehen und eben auf Tracks wie „LMS“ und was es da noch alles so gibt bzw. gab verzichten. In diesem Sinne hatte er seiner Hörerschaft vor allem zu sagen: „Bleibt sauber und gesund.“
Den letzten Track widmete er schließlich wie schon auf dem Album seinem Vater und mit „Nichts bleibt mehr“ sorgte King Kool Savas zusammen mit dem Scala Chor und Feuerfontänen noch einmal für Melancholie und Gänsehaut. Sichtlich gerührt, verließ er danach die Bühne. Es war Punkt 22:00 Uhr. Gegen eine zweite Zugabe hätte wohl niemand was gehabt, doch wer pünktlich um 20:00 Uhr anfängt, der darf auch um zehn Schluss machen.


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05 Feb 2012 by jsp
balken
INTERVIEW MIT ILLTHINKER


Mittlerweile nach Köln umgezogen, besuchten wir ILLthinker Ende letzten Jahres noch in Aachen. Wer ihn selbst noch nicht kennt, hat bestimmt schon einen Beat von ihm gehört, ob auf den Alben von Farid Bang, Snaga & Fard, Eko, Summer Cem, Kollegah oder exklusiven Tracks von Der Stamm und MoTrip.
 
Im ersten Teil bekommt ihr einen Einblick in die Zusammenarbeit mit all den besagten Künstlern und in seinen eigenen Umgang damit. Wer wissen will, wie profitabel so ein Beat-Geschäft in Deutschland sein kann, kommt auch auf seine Kosten.



Im zweiten Teil lernt ihr seine Arbeitsweise kennen. Mit welchen Geräten und wie produziert er? Das Motto seiner alten Crew "Niemehr4free-Beats" bleibt weiter Thema und nicht nur die Vorstellung der Aachener Hip Hop Szene zeigt, warum seine eigene Hörgewohnheiten ganz klar im englischsprachigen Raum liegen.

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01 Feb 2012 by jsp
balken

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